Als Arzt selbstständig machen [Praxisgründung]: alle Informationen

Medizinstudium, eidgenössische Prüfung für Humanmedizin, Facharztweiterbildung und dann? Ab ins Spital oder doch lieber mit einer eigenen Praxis selbstständig machen? Wer sich für letzteren Weg entscheidet, entscheidet sich zwar immer für ein hohes Maß an Freiheit und Verdienstmöglichkeiten, allerdings auch für ein nicht geringes Maß an Risiko und Verantwortung. Denn statt als Arbeitnehmer, ist man nun als Selbstständiger und sehr wahrscheinlich auch Arbeitgeber tätig. Wir möchten an dieser Stelle die wichtigsten Eckpunkte abstecken, die es bei der Gründung einer eigenen Praxis als Arzt oder Ärztin zu beachten gilt. 

Inhalt
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    Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Arzt

    Ja, das ist grundsätzlich möglich. Hierfür ist der Weiterbildungstitel „Praktischer Arzt / Praktische Ärztin“ notwendig. Allerdings ist dieser in der Schweiz an die erfolgreiche Facharztprüfung geknüpft. Allerdings gilt: Wer in einem EU-Staat als Allgemeinmediziner praktizieren darf und dazu eine mindestens dreijährige Ausbildung absolviert hat, könnte sich in der Schweiz theoretisch als «praktischer Arzt» anerkennen lassen, allerdings nicht zwingend als Facharzt für allgemeine innere Medizin. Die Anerkennung eines erworbenen EU-Facharzttitels durch die MEBEKO ist jedoch der sicherere Weg. 

    Arztpraxis ohne Facharzt?

    Hilfe erhalten Gründer zum Beispiel beim SECO - Staatssekretariat für Wirtschaft. Zudem erhalten Interessierte wertvolle Infos bei den kantonalen Wirtschaftsförderungen. Ein spezielles Coachingprogramm wird von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) angeboten.

    Selbstständigkeit: Gründung der Praxis

    Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist der Weg in die Selbstständigkeit als Arzt frei. Doch es gibt nach wie vor ein paar Dinge zu klären.

    1. Rechtsform

    Fast alle Ärztinnen und Ärzte handeln als Einzelunternehmen - auch die einfache Gesellschaft ist gängig, wenn die Praxis mit jemand anderen zusammen betrieben wird. Rein theoretisch dürfen Mediziner die Praxis aber auch als GmbH oder AG führen. Wichtig: Die unbegrenzte Haftung des Arztes gegenüber seinen Patienten gemäss Behandlungsvertrag bleibt davon unberührt. Lediglich die beschränkte Kapitalhaftung könnte bei der GmbH ein Vorteil sein. 

    > Die Rechtsformen im Überblick

    2. Standort

    Der Standort ist ein ganz entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis. Folgende Fragen sollten sich Gründer deshalb stellen:

    1. Gibt es Bedarf an meiner Leistung?
    2. Wie viele Patientinnen und Patienten sind zur erwarten?
    3. Wie viel Personal brauche ich, um meine Leistung zu erbringen?
    4. Wie groß müssen die Räumlichkeiten sein (oder wie klein dürfen sie sein)?
    5. Gibt es überhaupt passende Immobilien in der jeweiligen Region?

    Sind diese Fragen geklärt und wurde ein passender Standort ermittelt, geht es weiter in die detaillierte wirtschaftliche Planung. 

    > Hilfe bei der Immobiliensuche und Finanzierung

    3. Finanzplanung und Businessplan

    Wurde die Standortfrage geklärt, geht es darum, die Finanzen und planen und die Finanzierung dieser Planungen sicherzustellen. Schliesslich müssen einige Dinge vorfinanziert werden. Dazu gehören nicht nur die ersten Mieten für die Räumlichkeiten, sondern auch medizinische Geräte, das Mobiliar der Praxis sowie die ersten Gehälter. 

    Weil hierfür in aller Regel ein Kredit notwendig wird, sollte ein Businessplan erstellt werden, welcher den Kreditgebern darlegt, wie die wirtschaftliche Entwicklung der Praxis verlaufen soll. 

    Über folgende Eckpunkte sollte ein Businessplan Aufschluss geben:

    1. Executive Summary: Zusammenfassung der Praxisziele, Leistungen, Zielgruppen und Finanzprognosen.
    2. Praxisbeschreibung: Informationen über die medizinischen Dienstleistungen, Standort der Praxis und rechtliche Strukturen (z. B. Einzelpraxis oder Partnerschaft).
    3. Marktanalyse: Untersuchung des lokalen Gesundheitsmarktes, einschliesslich der Bedürfnisse der Bevölkerung, Wettbewerbsanalyse und potenzieller Wachstumschancen.
    4. Zielgruppenanalyse und Marketingstrategie: Identifikation der Zielgruppen (z. B. Patientenalter, medizinische Bedürfnisse) und Entwicklung von Marketingstrategien, um diese anzusprechen (z. B. Online-Marketing, Empfehlungen von anderen Ärzten).
    5. Leistungsangebot: Beschreibung der medizinischen Dienstleistungen, Spezialisierungen und Technologien, die in der Praxis angeboten werden.
    6. Geschäftsmodell und Umsatzprognosen: Darstellung der Einnahmequellen (z. B. Abrechnung von Versicherungen, Selbstzahlerleistungen) und Prognosen für die Umsatzentwicklung.
    7. Managementteam und Organisationsstruktur: Vorstellung des ärztlichen Teams und anderer Schlüsselpersonen sowie Beschreibung der organisatorischen Struktur der Praxis.
    8. Betriebs- und Produktionsplan: Beschreibung der täglichen Abläufe in der Praxis, einschliesslich Sprechstundenzeiten, Patientenverwaltung und Notfallprotokolle.
    9. Finanzplanung und Budgetierung: Prognosen für Einnahmen, Ausgaben, Investitionen und Cashflow, sowie Finanzierungsmöglichkeiten und Rücklagenplanung.
    10. Risikoanalyse und Exit-Strategie: Identifikation möglicher Risiken (z. B. Änderungen in der Gesundheitspolitik, Personalmangel) und Entwicklung von Strategien zur Risikominderung. Eine Exit-Strategie kann optional sein und beispielsweise den Verkauf der Praxis oder den Übergang in den Ruhestand umfassen.

    > Mehr Infos zum Thema Businessplan

    4. Gründung / AHV-Anmeldung

    Auch wer keine GmbH oder AG gründet, muss die Selbstständigkeit anmelden - und zwar bei der zuständigen Ausgleichskasse. 

    > Liste der kantolen Ausgleichskassen
    > Infos zur AHV-Anmeldung bei Selbstständigkeit

    5. Praxis beziehen und einrichten

    Finanzierung geklärt und das Geld da, gilt es, die Praxis einzurichten. Hierzu gehören natürlich nicht nur sämtliche für die Behandlung notwendigen medizinischen Gerätschaften, sondern auch banale Dinge wie Stühle, Tische und Co.

    6. Personal einstellen

    Spätestens jetzt, besser jedoch zu einem früheren Zeitpunkt, sollte qualifiziertes Personal gefunden und eingestellt werden. 

    Folgendes Personal könnte relevant sein:

    1. (Weitere) angestellte Ärzte: Hauptverantwortlich für die medizinische Versorgung der Patienten, einschliesslich Diagnose, Behandlung und Beratung
    2. Krankenschwestern/Pflegepersonal: Unterstützen Ärzte bei der Patientenversorgung, einschliesslich der Durchführung von Untersuchungen, Verabreichung von Medikamenten und Beratung von Patienten.
    3. Medizinische Fachangestellte: Verantwortlich für administrative Aufgaben wie Terminplanung, Patientenregistrierung, Abrechnung und Büroorganisation.
    4. Empfangspersonal: Begrüsst und registriert Patienten, beantwortet Telefongespräche, vereinbart Termine und unterstützt bei administrativen Aufgaben.
    5. Labor- und Radiologie-Techniker: Führen diagnostische Tests wie Blutuntersuchungen, Urinanalysen, Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen durch.
    6. Praxismanager: Verantwortlich für die Geschäftsführung, einschliesslich Personalmanagement, Finanzplanung, Marketing und Einhaltung von Vorschriften.
    7. Buchhalter/Finanzverwalter: Verantwortlich für die Buchhaltung, Budgetierung, Abrechnung und Finanzberichterstattung der Praxis.
    8. IT-Spezialisten: Unterstützen bei der Wartung und Aktualisierung von Computersystemen, Softwareanwendungen und der elektronischen Patientenakte (EPA).
    9. Reinigungspersonal: Zuständig für die Reinigung und Desinfektion von Patientenbereichen, Behandlungsräumen und Sanitäranlagen.
    10. Sicherheitspersonal: Überwacht die Sicherheit der Praxis, insbesondere in Notfällen   oder bei Konflikten.

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    7. Versicherungen abschliessen

    Obligatorisch und ergänzend: Versicherungen sind für Mediziner, vor allem, wenn sie selbstständig sind, das A und O. So ist beispielsweise die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte Pflicht. Ergänzend gehört auch die Rechtsschutzversicherung zum mehr als sinnvollen Versicherungsportfolio von Medizinerinnen und Medizinern.

    Damit ist das Thema Versicherungen aber noch lange nicht abgehakt: Denn wer wirklich auf Nummer sicher gehen möchte, der kommt auch um eine Praxissachversicherung nicht herum.

    Auf einen Blick:

    > Infos: Versicherungen für Selbstständige
    > Versicherungsvergleich

    7.1 Altersvorsorge

    Selbstständigerwerbende sind zunächst einmal nur in der 1. Säule des Schweizer Altersvorsorge- / Sozialversicherungssystems versichert. Da es hier aber Grenzen für die möglichen Bezüge bei Invalidität oder im Alter gibt, geht es nicht ohne eine weitere finanzielle Vorsorge. Zu Wahl steht die Pensionskasse im Rahmen der Säule 2 sowie die gänzlich private Vorsorge in den Säulen 3a und 3b

    Auf einen Blick:

    • Pensionskasse
    • private Altersvorsorge
      • Säule 3a
      • Säule 3b

    > Altersvorsorge für Selbstständige und Unternehmer

    7.2 Versicherungen und Vorsorge für Mitarbeiter

    Besonders wichtig: Wer Arbeitnehmer beschäftigt, ist ferner verpflichtet, sich um deren Absicherung zu kümmern. Hier sind u. a. folgende Punkte relevant:

    • AHV / IV
    • Unfallversicherung
    • Familienzulagen
    • Mutterschaftsschutz

    Rundum-sorglos-Service für Medizinerinnen & Mediziner

    Unsere Firmengruppe findet für Sie nicht nur die passenden Mitarbeiter, sondern unterstützt Sie auch bei deren und Ihrer versicherungstechnischen Absicherung. Auf Wunsch gehen wir ausserdem auf die Suche nach geeigneten Praxisräumlichkeiten. Klingt gut? Dann melden Sie sich noch heute und vereinbaren Sie einen vollkommen kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.

    8. Marketing und Eröffnung

    Am Ende des Tages ist eine Arztpraxis genauso von einer guten Marketingstrategie abhängig, wie jedes andere lokale Unternehmen. Egal ob Zahnarztpraxis, niedergelassener Chirurg, Kinderarzt oder Psychologe: Die Konkurrenz schläft nicht und gut und Patientinnen und Patienten. 

    Es geht also darum: 

    1. neue Patienten zu gewinnen und diese 
    2. zu halten. 

    Mit “halten” ist natürlich nicht gemeint, dass medizinische Behandlung erfolglos bleibt. Dennoch können Zusatzleistungen und Gesundheitschecks die Kundenbindung stärken und dafür sorgen, dass die Praxis im Krankheitsfall (der hoffentlich nicht wieder eintritt) erneut besucht wird.

    Werbung: Das Wichtigste für Arztpraxen

    1. Erstellen Sie unbedingt ein aussagekräftiges Google My Business Profil. Damit tauchen Sie in jedem Fall schonmal mit Ihrer Praxis auf, wenn Personen nach einer Arztpraxis wie Ihrer in der jeweiligen Region suchen. 
    2. Melden Sie sich in allen Branchenbüchern an, um noch besser gefunden zu werden.
    3. Erstellen Sie ein Social-Media-Profil, um Ihre Zielgruppe auch dort zu erreichen - selbst dann, wenn kein akuter Bedarf besteht. Im Fall der Fälle wird man sich aber an Sie bzw. Ihre Praxis erinnern. Im Idealfall generieren Sie Follower, um dauerhaft organisch präsent zu sein.
    4. Schalten Sie Onlinewerbung - beispielsweise bei Google (Google Ads), um für relevante Suchanfragen von vornherein ganz oben in den Suchergebnissen zu erscheinen und Patientinnen und Patienten zu gewinnen. Die vereinfacht die Patienakquise, wenn Ihr My Business Profil noch nicht so präsent ist, beispielsweise, weil es noch keine oder wenige Bewertungen hat. 
    5. Auch eine einladende und informative Website gehört zum Marketing-Standartwerkzeug für Arztpraxen. Hier können Sie nicht nur Ihre Behandlungsphilosophie vorstellen, sondern auch einzelne Seiten für spezielle Leistungen erstellen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie für genau diese Leistungen auch in der Google-Suche erscheinen. Tipp: Nutzen Sie die Website, um Terminbuchungen entgegenzunehmen. Dies entlastet die Praxisadministration enorm.
    6. Erstellen Sie wertvollen Content (auf Ihrer Website und / oder auf Social-Media), um Expertise zu beweisen und Kunden zu gewinnen, die sich zu diesen Themen online informieren. Dieses Instrument kann auch zur Kundenbindung genutzt werden (Beispiel: E-Mail-Marketing).
    7. Last but not least: Offline-Werbung in der lokalen Zeitung, auf den Banden lokaler Fußballclubs, Buswerbung und Co sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Werbestrategie. 

    Angebote der SuisseKasse GmbH

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    Jasin Isik ist Gründer und Geschäftsführer der SuisseKasse GmbH, der Betreiberfirma von GruenderWelt.ch. Zu den Geschäftsbereichen der Gesellschaft zählen neben der Finanz-, Steuer-, Vorsorge und Versicherungsberatung sowie -vermittlung auch die Vermittlung von (medizinischem) Personal. Zudem ist die SuisseKasse GmbH im Bereich Immobilien aktiv.

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    Vorsorge

    Alles Wichtige zur Altersvorsorge für Selbstständige und deren Angestellte: Überlassen Sie nichts dem Zufall.

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    Versicherungen

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